Der Wasser-Nase-Reflex

Sicher haben bereits viele Taucher während ihrer Ausbildung mit dem Wasser-Nase-Reflex Bekanntschaft gemacht, ohne genau zu wissen, was da mit ihnen passierte.

Da auch ich eher unvorbereitet mit einem starken Wasser-Nase-Reflex zu kämpfen hatte, möchte ich hier einen Überblick geben, warum es so wichtig ist, ihn zu überwinden und wie man dies mit relativ leichten Übungen schafft.


Was ist der Wasser-Nase-Reflex?

Grob gesagt, ist es ein körpereigener Schutzmechanismus, der uns vor dem Ertrinken rettet, sollten wir einmal ungewollt unter Wasser geraten.
Er wird ausgelöst, wenn die Nasenschleimhäute und spezielle Rezeptoren im Nasen- und Oberlippenbereich mit Wasser in Berührung kommen. Je kälter das Wasser, umso stärker fällt gewöhnlich die Reaktion aus.

Da diese Rezeptoren während des Tauchgangs durch die Maske geschützt sind, tritt der Reflex oft erst auf, wenn die Maske unter Wasser abgenommen, bzw. die Maske geflutet wird.

Wie äußert sich der Wasser-Nase-Reflex?

Die Auswirkungen sind individuell verschieben und reichen von minimalen Problemen beim Ein- und Ausatmen bis hin zu einer kompletten Atemblockade.

Solange der Reflex kurz nach dem Abtauchen oder langsam ausgelöst wird (schlecht sitzende Maske, Haare lassen Wasser eindringen, Maske wird beim Sprung ins Wasser gelöst), sind die Auswirkungen noch überschaubar.

Sollte er allerdings in größerer Tiefe und plötzlich ausgelöst werden (Maskenband reißt, Maske wird durch den Flossenschlag eines Buddys vom Kopf gerissen), kann die Situation schnell lebensbedrohlich werden.

Durch die eingeschränkte Atmung kommt es früher oder später zu einer erhöhten CO2-Konzentration im Blut, die einen unkontrollierten Atemreflex auslösen und zu einer Panik führen kann.

Mögliche Folgen:

Setzt ein unkontrollierter Atemreiz ein, gelangt im schlimmsten Fall Wasser in die Atemwege, was zu einem starken Hustenreiz oder sogar einem Stimmritzenkrampf (Wikipedia) führen kann.
Sollte der Taucher in Panik geraten und mit bestehender Atemblockade einen unkontrollierten Aufstieg durchführen, kann es im schlimmsten Fall zu einem lebensgefährlichen Barotrauma (Wikipedia) kommen, ein Dekompressionsunfall (Wikipedia) ist aber sehr wahrscheinlich.

Wie kann ich mich davor schützen?

Auch wenn der Wasser-Nase-Reflex einen durchaus sinnvollen Hintergrund hat, ist er unter Wasser eher gefährlich. Daher sollte jeder Taucher regelmäßig die Beherrschung seines Wasser-Nase-Reflex überprüfen und trainieren.

Dazu muss man nicht zwangsläufig einen Tauchgang ansetzen. Es reicht auch eine Dusche oder ein Besuch im Schwimmbad. Lediglich Maske und Schnorchel sollte man dabei haben.


Übungen unter der Dusche

Bei einem stark ausgeprägten Reflex sollte man erst einmal in gewohnter und sicherer Umgebung üben. Die heimische Dusche ist dazu perfekt.

  1. Unter den Duschstrahl stellen und ruhig durch den Schnorchel atmen
  2. Maske und Schnorchel aufsetzen und die Maske langsam mit Wasser fluten. Wenn man die Atmung soweit kontrollieren kann, dass kein Wasser durch die Nase eingeatmet wird, hat man die erste Hürde genommen.

Übungen in der Badewanne (ohne Schnorchel)

  1. Über Wasser durch den Mund einatmen – Gesicht bis zur Nase unter Wasser und durch die Nase ausatmen
  2. Über Wasser durch den Mund einatmen – das komplette Gesicht unter Wasser tauchen und durch die Nase ausatmen

Übungen in der Badewanne (mit Schnorchel)

  1. Mund unter Wasser und über den Schnorchel einatmen – Nase über Wasser und darüber ausatmen
  2. Mund und Nase unter Wasser und über den Schnorchel einatmen – durch die Nase ausatmen
  3. Das gesamte Gesicht unter Wasser und über den Schnorchel einatmen – durch die Nase ausatmen.

Übungen im Schwimmbad (mit Schnorchel)

Die folgenden Übungen sollte man am Beckenrand durchführen, damit mal sich bei den Übungen festhalten kann.

  1. Kopf mit Maske unter Wasser, Atmung über den Schnorchel – Maske bis zur Hälfte fluten und ausblasen
  2. Kopf mit Maske unter Wasser, Atmung über den Schnorchel – Maske komplett fluten und ausblasen
  3. Kopf ohne Maske unter Wasser, Atmung über den Schnorchel – Einatmen über den Mund, ausatmen über die Nase
  4. Kopf mit Maske unter Wasser, Atmung über den Schnorchel – Maske komplett fluten, absetzen, ca. 30 Sekunden ohne Maske atmen, Maske aufsetzen und ausblasen

Sollten diese Übungen problemlos durchgeführt werden können, dann sollte der Wasser-Nase-Reflex keine grossen Probleme mehr bereiten.
Man sollte sich allerdings nie zu sicher sein und bei jedem Tauchgang eine kurze Übung einlegen, damit man im Training bleibt.

Ich hoffe, ich konnte dem ein oder anderen damit helfen.

Beste Grüße und allzeit gut Luft!
Frank